Selbständig machen als Interior Designer
1. Einleitung
Ein Interior-Design-Business ist in Deutschland schnell gestartet, aber nicht automatisch „einfach“. Entscheidend für eine relevante Selbständigkeit sind vier Vorraussetzungen:
Erstens eine saubere Positionierung (was genau du anbietest),
zweitens die rechtliche und steuerliche Einordnung (freiberuflich oder gewerblich),
drittens ein belastbares Akquise- und Marketing-Setup (siehe 1.9) und natürlich
viertens - Interior Design Fähigkeiten.
Der Begriff „Interior Designerin“ ist dabei frei verwendbar; die geschützte Berufsbezeichnung „Innenarchitekt“ darfst du nur führen, wenn du nach einem abgeschlossenen Studium in der Kammerliste eingetragen bist.
2. Begriff und Abgrenzung
Interior Design im weitesten Sinne beschreibt gestalterische Leistungen rund um (Innen-)Raumwirkung, Einrichtung, Farben und Materialien, Möblierung, Licht, Styling und – je nachdem, ob du es anbieten möchtest – auch die Projektkoordination bis zur Fertigstellung.
Innenarchitektur ist als Berufsbezeichnung gesetzlich geschützt und an die Eintragung in der Architektenkammer gebunden.
Du musst nicht „Innenarchitekt“ sein, um gute Innenräume zu planen, aber du musst sauber benennen, was du und auf welcher Basis als Dienstleistung anbietest.*
3. Tätigkeitsfeld und Leistungsspektrum
Leistungen im Interior Design sind Konzeptentwicklung, Moodboards, Material- und Möbelauswahl, Einbaumöbelplanung, Beleuchtungskonzepte, je nach eigener Kompetenz; 2D-/3D-Planung und auf Wunsch photorealistische Visualisierungen.
Auf Wunsch des Kunden inklusive einem Ausschreibungs- bzw. Angebotsvergleich.
Dein Angebot kann auch eine Projektbegleitung, den Einkauf/Bestellung sowie das Styling umfassen.
Entscheidend ist, welche Dienstleistung der potenzielle Kunde aus deinem Portfolio erwerben will und ob das in deinen Augen "Sinn macht". Das letzte Wort hast du. Du wirkst professioneller, wenn du deinen Leistungsumfang klar definierst und sinnvolle Zusammenhänge im Ablauf offenlegen kannst.
*Je technischer und genehmigungsrelevanter es wird, desto klarer brauchst du eine Abgrenzung zu Leistungen, die reglementiert sein können oder besondere Nachweise erfordern (z. B. Bauantrag, Statik, bestimmte Fachplanungen).

4. Voraussetzungen
4.1 Fachliche Grundlagen
Ein Architekturstudium ist ein starkes Argument für Professionalität und kann sogar bei der steuerlichen Einordnung zu deinem Vorteil sein, ersetzt aber keine genaue Leistungsbeschreibung deines jeweiligen Angebotes.
Entscheidend ist, was du konkret tust und es demzufolge nach außen kommunizierst.
Fachlich grundlegend ist natürlich ein allgemeines Raumverständnis, Material- und Farbkompetenz und Erfahrungen zur Lichtwirkung Des Weiteren sind gute Kommunikationsfähigkeiten, ein organisatorisches Talent und nicht zuletzt die Fähigkeit zu einer konsequenten und sauberen Dokumentation wichtig.
4.2 Unternehmerische Basis
Die wichtigsten unternehmerischen Voraussetzungen sind: ein klar definiertes Leistungsangebot, ein passendes Preismodell, belastbare Prozesse und eine Akquise-Routine (siehe 1.9).
Dazu kommen Vertragsvorlagen, Kalkulations-Kompetenz, das Parat haben verschiedener Projektabläufe, idealerweise ein Portfolio (mit Beispielprojekten) und ein Netzwerk aus Gewerken und Lieferanten.
Persönlich entscheidend sind Verbindlichkeit, Konfliktfähigkeit, bzw. der professionelle Umgang damit und die Fähigkeit, Projekte zu führen, wenn Kunden unsicher werden.
5. Steuerlicher Rahmen in Deutschland (Kurzüberblick)**
Die Selbstständigkeit startet in der Praxis über die steuerliche Erfassung beim Finanzamt (über ELSTER).
Ob das Finanzamt deine Tätigkeit als freiberuflich oder gewerblich (ohne oder mit MwSt-Pflicht) einordnet, ist eine Einzelfallentscheidung. Bei Gestaltungsberufen spielt die Frage eine Rolle, ob du überwiegend eigenschöpferische Leistungen erbringst und ob deine Tätigkeit eher konzeptionell/gestalterisch geprägt ist, oder eher handwerklich/handelnd wirkt.
Eine praxistaugliche Faustregel lautet: Je mehr du Planung, Entwurf und gestalterische Konzeption verkaufst, desto eher ist Freiberuflichkeit argumentierbar. Je mehr du Handel betreibst (Warenverkauf mit Marge), desto eher rutscht es in gewerbliche Elemente.
Eventuelle Mischmodelle funktionieren nur, wenn du sie transparent sauber trennst: Honorar für Planung/Beratung auf der einen Seite, Warenfluss oder Provisionen auf der anderen.
6. Geschäftsmodelle im Interior Design
In der Praxis haben sich drei Modelle etabliert, die du auch kombinieren kannst, wenn du sauber trennst:
6.1 Beratung & Konzept + Visualisierung:
Klarer Umfang, schnelle Ergebnisse, geringeres Projektrisiko. Oft als Pauschale.
6.2 Alles aus Punkt 6.1 + Projektbegleitung:
Mehr Verantwortung, höherer Wertbeitrag, bessere Ergebnisse - bei guter Prozessführung meist gute Einnahmen generierbar.
6.3 Alles aus 6.1 und/oder 6.2 + Handel (Provisionen über Produktmargen)
Komplex und nur dann professionell, wenn Transparenz, Zuständigkeiten und Haftung klar geregelt sind.
Wenn du am Anfang stehst, ist es aufgrund der Komplexität oft schlau, mit Konzept und Projektbegleitung zu starten und Mobiliar-Handel erst später bewusst dazu anzubieten.
7. Positionierung und Angebot (praktisch)
Eine tragfähige Positionierung ist von existenzieller Bedeutung. Zielgruppe und Art des Angebotes sind dabei oft wichtiger als eine angebotene Stilrichtung. Noch besser ist ein Problemfokus, weil er potenziellen Kunden eine klare, sofort verständliche Botschaft gibt. Beispielsweise: „Altbaugrundrisse sinnvoll für Familien anpassen“, „Premium-Farbkonzepte für ruhige Räume“, „Möblierung für anspruchsvolle Homeoffice-Lösungen im Eigentum“.
Ein funktionierendes Angebot ist klar verständlich und im Umfang begrenzt.
Bewährt haben sich drei Stufen: ein Einstiegsangebot, ein Basisangebot und ein Premiumangebot. Ein Einstieg kann z. B. lediglich eine umfangreiche Strategieberatung sein, die Kunden schnell Klarheit über gestalterische Schritte schafft.
Ein Basisangebot ist typischerweise die von dir am liebsten angebotene Dienstleistung (s.o. 6.1 bis 6.3, oder etwas anderes, das du als Dienstleistung in dem Zusammenhang anbieten möchtest).
Das Premiumangebot kann beispielsweise eine Art "Rundum-Sorglos-Paket” sein, inklusive Umsetzung/Styling.
Der Vorteil dieser Struktur ist: Kunden können je nach Budget buchen.
8. Kalkulation und Preislogik
Preise entstehen aus Aufwand, Erfahrung und dem Wert des Ergebnisses. Viele Interior Designer scheitern an Unterkalkulation, weil sie Akquisezeit, Abstimmungen, Korrekturschleifen, Nachfragen, Projektsteuerung und Eigenheiten des jeweiligen Kunden zu gering eingepreist sind. Sinnvoll ist häufig eine Mischkalkulation: klare Pauschalen für definierte Leistungen zzgl. Stundenabrechnung, wenn sich Zusatzleistungen ergeben.
Dein Stundensatz muss so kalkuliert sein, dass nach fixen und variablen Kosten, Steuern, Versicherungen, Leerlaufzeiten und Rücklagen tatsächlich genug übrig bleibt. Rechnest du zu knapp, bist du am Ende zwar dauerbeschäftigt, aber deine Selbstständigkeit trägt sich wirtschaftlich nicht (Gefahr der ’Liebhaberei’ im steuerlichen Kontext**)
9. Verträge und Projektprozess
Ein Standardprozess reduziert Stress und lässt dich professionell wirken. Ein praxistauglicher Ablauf wäre: Kennenlern-Termin, Angebot, Freigabe, Start, Konzepterstellung, Freigabe, Planung/Details, Freigabe, Einkaufsliste, Freigabe, Umsetzung, Abnahme (je nachdem, welchen Umfang du anbietest). Fertig.
Vertraglich gehören Regelungen zu Leistungsumfang, Umgang mit Änderungswünschen, Ablauf der Abrechnung, Haftung, Mitwirkungspflichten, Terminen sowie Nutzungsrechten (z. B. Pläne/Visualisierungen, Fotoverwendung) in jedes Projekt. Ohne klare Korrekturschleifen eskalieren Projekte fast immer. Du solltest im Vorhinein klar geregelt haben, wie viele Runden es gibt und was (finanziell) danach passiert.

10. Akquise und Marketing
Die stabilste Akquise ist Vertrauen. Referenzen (Vorher-nachher) und ein sicheres Auftreten sind der größte Hebel. Online ist dazu ein Portfolio unabdinglich.
Entscheidend dabei ist deine Botschaft: welches Problem du löst, für wen und wie der Ablauf sein kann.
Akquise-/Marketing-Setup (wie Anfragen generiert werden)
Klare Botschaft
Du kannst in einem Satz sagen, für wen du was löst und wie der Einstieg aussieht.Ein definiertes Einstiegsangebot:
Z.B.eine Strategieberatung. Das ist ein niedrigschwelliger „erster Kauf“, über den du zuverlässig in größere Projekte kommst, wenn du dich mit dieser Abfolge sicherer fühlst.Ein wiederholbarer Marketing-Mix: Empfehlungen + Partner (Makler, Küchenstudios, Handwerk) + (Social-media-Content) + Website.
Dein Erstgespräch-Standard:
Ein Leitfaden, mit dem du Stil, Budget, gewünschter Zeitablauf, Entscheidungsfähigkeit und Dienstleistungsumfang prüfst und am Ende klar sagst: passt / passt nicht / bzw. nächster Schritt.
11. Risiken und typische Fehler
Typische Fehler sind ein zu breites Angebot („alles für alle“), Preise ohne Kalkulation, fehlendes Änderungsmanagement, Handel/Weiterverkauf ohne klare steuerliche und vertragliche Struktur sowie Akquise nur „wenn Zeit (d.h. kein Kunde in Sicht) ist“.
Das größte Risiko ist allerdings ein voller Kalender mit schlecht bezahlten Projekten. Dagegen hilft Angebotsdisziplin: lieber weniger Projekte, dafür genau passend zu deinem Angebot, von dir sicher geführt und abgerechnet.
Resümee
Eine Selbständigkeit als Interior Designer oder Interior Designerin ist bei guter Positionierung am Markt, sowie klaren, Vertrauen erweckenden Prozessen eine gute Möglichkeit, sich ein stabiles Einkommen zu erwirtschaften.
**Diese Beiträge sind ein Praxisüberblick und keine Rechts- oder Steuerberatung. Für verbindliche Informationen sind Steuerberatung und ggf. Rücksprache mit dem Finanzamt sinnvoll.