Wie viel verdient eine selbstständige Interior Designerin?

Wenn Frauen in unserer Branche über Einkommen sprechen, passiert fast immer dasselbe:
Es werden Zahlen genannt – aber niemand sagt sauber dazu, wovon genau wir sprechen.

  • Umsatz?
  • Gewinn?
  • Privates Netto?
  • Angestellt oder selbstständig?
  • Solo oder mit Team?

Wenn du dir ein tragfähiges Interior-Design-Business aufbauen willst, brauchst du nicht nur motivierende Sprüche. Du brauchst zuerst einmal konkrete Zahlen.

Die gibt es – mit einer Einschränkung:

Für den DACH-Raum gibt es öffentlich keine einheitliche Statistik nur für selbstständige Interior Designerinnen. Die belastbarste Quelle ist aktuell die Bundesarchitektenkammer (BAK) für Deutschland, Berichtsjahr 2023, für selbstständig tätige Innenarchitekten.

Warum ich trotzdem die BAK-Auswertung heranziehe: Sie bildet die wirtschaftliche Realität von selbstständigen Büros ab, die Innenräume professionell planen und gestalten – inklusive der typischen Kostenstruktur. Je näher dein Angebot an der Projektstruktur eines Innenarchitekturbüros liegt, desto besser ist die Übertragbarkeit.

1. Die Zahl, die du kennen solltest

Laut BAK liegt der Überschuss pro Inhaber bei selbstständig tätigen Innenarchitekten im Jahr 2023 bei:

  • Median: 52.000 €
  • arithmetisches Mittel: 100.014 €

Das klingt auf den ersten Blick nach einer großen Spannweite – und genau so ist es auch in der Realität.
Die BAK meint mit „Überschuss" ausdrücklich nicht dein privates Netto, sondern nur die betriebliche Kennzahl: Umsatz minus Kosten (inkl. Gehälter, freie Mitarbeiter, Sachkosten), ohne Inhabergehälter.
Das ist wichtig, damit du nicht an dieser Stelle falsch rechnest.

2. Warum der Median wichtiger ist als der Durchschnitt

Der Durchschnitt liegt also bei 100.014 €, der Median bei 52.000 €.

Das zeigt: Es gibt einige Büros mit sehr hohen Überschüssen, die den Durchschnitt stark nach oben ziehen. Der Median liegt deutlich näher an der Mitte der tatsächlichen Verteilung.

Für deine Planung: Wenn du wissen willst, was „typisch" ist, schaust du auf den Median. Wenn du sehen willst, ob nach oben Luft ist, schaust du auf den Durchschnitt.

3. Besonders wichtig für Interior Designerinnen ohne Angestellte

Für diese Interior Designerinnen ist die eigentliche Frage nicht: „Wieviel Überschuss haben andere – große – Büros?"

Sondern: „Was ist realistisch, wenn ich solo arbeite?"
Für einen Inhaber, ohne Mitarbeiter nennt die Auswertung:

  • Median: 42.250 €
  • arithmetisches Mittel: 53.544 €

Das ist die realistische Referenz für viele Selbstständige ohne Business-Weiterbildung in der Branche – oder in den ersten Jahren.

4. Was heißt das jetzt konkret für dich?

Wenn du bei einem Überschuss von rund 42.000–52.000 € landest, bist du statistisch nicht „schlecht". Du liegst damit im Bereich der veröffentlichten Referenzwerte.

Das heißt aber noch lange nicht automatisch, dass sich das für das Leben rechnet, das du dir vorstellst.
Denn von diesem Überschuss gehen bei dir privat noch ab:

  • Krankenversicherung,
  • Einkommensteuer,
  • Altersvorsorge,
  • Rücklagen.

Die Statistik ist hilfreich – aber nur als Orientierung auf Betriebsebene.
Für deine Lebensrealität zählt dein privates Netto.

5. Ein Denkfehler, der dich in dieser Einkommenskategorie bleiben lässt

Wenn du auf dein Einkommen schaust und sagst: „Ich brauche einfach mehr Projekte" - kann das sein.
Oft ist es aber in der Praxis nur einer von mehreren Hebeln.
Mehr Projekte bringen dir nicht automatisch mehr Geld, wenn gleichzeitig:

  • dein Leistungsumfang unscharf ist
  • du viel kostenlos mitlieferst
  • du zu spät über Budgetänderungen sprichst
  • deine Angebote nicht sauber begrenzt sind
  • du Preislogik mit Bauchgefühl ersetzt

Dann wächst nur die Auslastung. Nicht dein Unternehmerinnenlohn.

Und wenn die Bauchgefühl-Preise regelmäßig zu niedrig sind, lohnt sich ein ehrlicher Blick: nicht nur auf die Kalkulation, sondern auch auf die Frage, was dahintersteckt.
Ob es Unklarheit über den eigenen Wert ist.
Ob es die Angst ist, zu teuer zu sein und den Auftrag zu verlieren.
In meiner Erfahrung mit Interior Designerinnen ist das einer der häufigsten – und am stärksten unterschätzten – Hebel.

6. Was die Statistik dir eigentlich zeigt

Die BAK-Zahlen sind kein Urteil über deinen Marktwert. Sie sind ein Hinweis auf die wackelige wirtschaftliche Struktur der Branche.
Und sie zeigen sehr klar:

Es gibt eine breite Mitte.
Es gibt Ausreißer nach oben.
Der Unterschied entsteht nicht nur durch Gestaltungskompetenz, sondern vor allem durch unternehmerisches Handeln.

Anders gesagt:
Nicht nur dein Stil entscheidet über dein Einkommen.
Sondern dein System.

7. Kurze Selbstprüfung

Bevor du an deinen Preisen oder anderen Stellschrauben arbeitest, prüfe 4 Punkte ehrlich:

  1. Rechne ich mit Umsatz – oder mit dem, was privat übrig bleibt?
  2. Welche Leistungen liefere ich regelmäßig mit, ohne sie vergüten zu lassen?
  3. Ist mein Angebot klar begrenzt – oder offen formuliert?
  4. Ziehe ich die richtigen Anfragen an – oder muss ich ständig überzeugen und rechtfertigen?

Diese vier Fragen wirken simpel. Aber genau hier liegt in vielen Interior-Design-Businesses der größte Hebel.

8. Was heißt das für deine Preisgestaltung?

Egal, ob du gerade startest oder schon Erfahrung mitbringst:
Wenn du am Anfang stehst, baust du hier die Grundlage für alles, was später wirtschaftlich trägt.
Wenn du schon Erfahrung hast, geht es darum, dein Business nicht länger über Fleiß, sondern über Klarheit zu führen.

Das heißt konkret:

  • klare Leistungen statt „ich schaue mal drauf"
  • klare Phasen statt Dauerbegleitung ohne Grenze
  • klare Freigaben statt Endlosschleifen ohne Vergütung
  • klare Preise statt spontaner Einzelkalkulation auf Anfrage
  • klare Kunden-Aus- und Abwahl

Mein Fazit

Wenn du dir die Statistik anschaust, zieh bitte nicht den falschen Schluss:

„Mehr ist in dieser Branche eben nicht drin.“

Doch. Ist drin.

Aber nicht automatisch.

Die Zahlen zeigen eher: Ein solides Einkommen ist möglich. Ein deutlich höheres auch. Nur nicht mit einem Business, das auf Bauchgefühl, Anpassung und unbezahlten Zusatzleistungen basiert – sondern mit einer klaren Positionierung, einem begrenzten Angebot und einer Preislogik, die Aufwand und Wert abbildet.

Wenn du mehr verdienen willst, brauchst du nicht zuerst mehr Talent oder Übung.
Du brauchst ein Setup, das deinen Wert wirtschaftlich abbildet.

Genau da beginnt eine saubere Preisstrategie. Und bald danach das Leben als Interior Designerin, welches du dir eigentlich vorstellst.

Wenn du dabei professionelle Unterstützung möchtest: In meiner Masterclass für nur 6 Interior Designerinnen lernst du, wie du vom „Median" zum „Durchschnitt" gelangen kannst.

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Katja A. Marocke ist Interior Designerin seit 1992 und Mitgründerin der Interior Designers Academy. Sie begleitet Frauen dabei, ein Interior-Design-Business aufzubauen, das sie trägt – finanziell, persönlich und emotional.