„Millionäre“ einrichten – dein Interior Design Upgrade.
Zwischen Glamour und Understatement: Welche „Millionäre“ sind gemeint?
Ja, es gibt sie: die „Millionäre", denen man schon aus der Entfernung ansieht, dass sie finanziell vermögend sind. Dagegen ist nichts einzuwenden.
Sie stehen für eine bestimmte Gruppe: Menschen, denen Status wichtig ist.
Der Eisberg-Effekt: Warum „reich aussehen“ eher die Ausnahme ist.
Was bedeutet es für dich als Interior Designerin, wenn du diese Kunden gern hättest:
Zuerst – dass sie glamourös auftreten, ist natürlich ein Klischee. Tatsächlich stellt nur ein kleiner Teil der Menschen, die ich so bezeichnen würde, sein Vermögen offen zur Schau.
Wie bei einem Eisberg gilt hier: Je mehr und je länger jemand wirklich wohlhabend ist, desto unscheinbarer tritt er oft auf.
Es geht nicht um „Millionäre“. Es geht um Passung.
Und jetzt kommt der Teil, der viele ausbremst:
Nicht dein Design entscheidet zuerst, sondern dein Auftreten. Menschen mit großem finanziellen Spielraum kaufen nicht nur Stil oder Mobiliar. Sie kaufen ein Gegenüber, das Sicherheit und Kompetenz ausstrahlt. Ruhig. Klar. Unaufgeregt.
Wenn du innerlich im „Bitte wähl mich"-Modus bist, spürt man das. Und dann wirkst du nicht wie jemand, dem man gern Verantwortung und Budget anvertraut.
Das ist keine Frage von Auftreten oder Technik allein. Es ist eine Frage davon, wie sicher du mit dir selbst bist – und das zeigt sich in Momenten, die du nicht planen kannst: wenn ein Budget genannt wird, das dich innerlich erschreckt; wenn ein Kunde kritisiert; wenn es darum geht, eine unbequeme Entscheidung klar zu vertreten. In genau diesen Momenten entscheidet sich Passung.
Der eigentliche Hebel:
Der entscheidende Hebel ist nicht, ob jemand 80.000 € oder 500.000 € Budget hat.
Der Hebel ist: Du solltest dich in der Welt deiner Zielgruppe auskennen, idealerweise dort unterwegs sein. Menschen buchen dort, wo sie das Gefühl haben: „Sie versteht uns. Sie denkt wie wir."
Und das gilt nicht nur für diese Kunden. Es gilt für jede Zielgruppe.
Wenn dein Auftreten, deine Sprache und deine Werte zur Lebensrealität deiner Zielgruppe passen, entsteht Passung – du wirst gebucht und das Projekt läuft für alle Seiten stimmig ab.
Zwei Welten, zwei Codes.
Es gibt grob zwei Arten, wie sich Wohlstand zeigt:
- Status & Sichtbarkeit: Hier geht es um Wirkung nach außen, starke Statements, erkennbare Signale.
- Diskretion & Understatement: Hier geht es um Qualität, die man nicht erklären muss, um Ruhe, Substanz und Privatsphäre.
Beide Welten können gute Kunden sein. Die Frage ist nicht, was „besser" ist. Die Frage ist: Wo bist du echt.
Demzufolge: Beide Wege funktionieren, wenn du dich für einen entscheidest.
1. Zieht dich Show und Glamour an - positioniere dich genau so, dass du von potenziellen Zielgruppe, die das lebt, gesehen wirst.
2. Liebst du selbst eher "Understatement", kennst dich aber dort aus, wo auf einem hohen Level konsumiert wird - Start frei für genau diese deine Positionierung als Interior Designerin!
Was du also für Premium-Kunden brauchst:
Im Premiumsegment zählen nicht Deko-Ideen, sondern unsichtbare Qualitätsentscheidungen.
Das passende Mindset und ein vertrautes Auftreten im Premiumsegment.
Du wirkst nicht wie jemand, der um Zustimmung bittet, sondern wie eine Beraterin, die Orientierung gibt.
Premium-Kunden bezahlen vor allem Sicherheit.
Premium-Standards im Design.
Nicht „teurer um teuer zu sein", sondern stimmiger: Erfahrung mit Proportionen, Materialien, Licht, Details, Ausführung. Qualität ist kein Upgrade am Ende – sie ist die Basis.
Klarheit in Kommunikation und Abläufen.
Weniger Reibung, kein Drama, absolute Verlässlichkeit. Das ist für viele Premium-Kunden fast wertvoller als das spektakulärste Moodboard.
Angebot, Preise, Marge.
Du behandelst Geld wie ein professionelles Thema. Du brauchst Spielraum für Qualität, Verantwortung und saubere Umsetzung – dafür darfst du auch stehen.
Proportionen.
Premium Interior Design wirkt oft deshalb „teuer", weil wenig im Standardmaß ausgewählt wird.
Ehrliche Materialien.
Keine „Fake"-Optiken, sondern natürliche Materialien, die sich so anfühlen und altern wie sie aussehen.
Licht perfekt geplant, nicht „dabei".
Licht wird wie Architektur gedacht: Grundlicht + Akzent + Stimmungslicht, richtige Farbtemperatur, CRI, Dimmung, blendfrei, Zonen, Szenen.
Details konsequent.
Die Kleinigkeiten sind durchgezogen: Fugenbilder, Schattenfugen, Sockel, Griff- und Schalterprogramm, Stoffkanten, Nähte...
Nichts ist „fast passend".
„Neues Geld“ und „altes Geld“ – worin sie sich unterscheiden
- Selfmade-Wohlstand: Diese Zielgruppe erreichst du gut über eine klare Positionierung und sichtbare Referenzen.
- „Altes Geld": Familien, in denen Vermögen über Generationen gewachsen ist. Hier ist die Hürde meist der Zugang: Du wirst fast immer zuerst „von innen" empfohlen.

Auf Augenhöhe.
Du bist sicher nicht „zu klein" für diese Kunden – du wirkst nur klein, wenn du dich klein fühlst und deshalb auch so auftrittst.
Ist letzteres der Fall, hast du zwei Optionen:
- Du wächst da rein, bis es für dich normal ist.
- Du lässt diese Zielgruppe bewusst los und arbeitest dort, wo du von Anfang an auf Augenhöhe bist.
Kurzer Selbstcheck (antworte spontan):
– Fühlst du dich klein, wenn es sehr hochwertig wird – oder wirst du ruhiger?
– Fühlst du dich bei hohen Budgets unsicher – oder sachlich?
– Willst du beeindrucken – oder willst du führen?
Fazit: Mehr Qualität im Raum. Mehr Klarheit im Prozess. Mehr Gewinn im Business.
Du richtest nicht nur Räume ein. Du gestaltest die „dritte Haut" auch dieser Zielgruppe – ihr Zuhause als Identität, Ruhepol und Alltag auf dem gewünschten Niveau.
Wenn du das ernst nimmst und dich selbst dabei nicht kleiner machst als du bist, wirst du entsprechend wahrgenommen – und entsprechend vergütet.
Katja A. Marocke ist Interior Designerin seit 1992 und Gründerin der Interior Designers Academy. Sie begleitet Frauen dabei, ein Interior-Design-Business aufzubauen, das sie trägt – finanziell, persönlich und emotional.