Abrechnung pro m² im Interior Design: Wann sie funktioniert.

Die Abrechnung pro Quadratmeter klingt nach dem perfekten Modell: schnell erklärt, schnell kalkuliert, wirkt „objektiv".
In der Praxis ist pro m² aber nur dann für alle Beteiligten ein Gewinn, wenn du einiges beachtest.

Wann pro m2 Kalkulation Sinn machen kann:

Pro m² funktioniert gut, wenn Fläche tatsächlich eine brauchbare Angabe für Aufwand ist.
Das ist vor allem bei Projekten der Fall, die planbar und relativ gleichartig sind, zum Beispiel:

  • größere, homogene Flächen (Büro, Praxis, Restaurant, oder viele ähnliche Räume)
  • klarer Leistungsumfang (z.B. Konzept + Layout + definierte Präsentation)
  • wenig Sonderanfertigungen und vor allem: kein „wir entscheiden unterwegs“

Kurztest: Wenn du bei 80 m² ungefähr ähnlich arbeitest wie bei 50 m², dann kann pro m² passen. Wenn der Aufwand durch Entscheidungen, Einbauten, Technik und Bemusterung schwer kalkulierbar ist, passt es eher nicht.

Wann eine pro m² Kalkulation dich garantiert Geld kostet:

Pro m² wird schwierig, sobald einzelne Bereiche extrem aufwandsstark sind – und das ist in Wohnbereichen fast immer so. Küche, Bad, Einbauten, Lichtplanung, Sondermaße, Bestandsthemen, Abstimmung mit Gewerken: Das hat mit einer Quadratmeter-Größenordnung nichts zu tun.
Ein 12-m²-Bad kostet viel mehr Interior-Design-Zeit als ein 30-m²-Wohnzimmer.
Deshalb kannst du beides nicht über denselben m²-Preis abrechnen.

So setzt du ein m²-Modell auf, das dich schützt:

  1. Definiere den Leistungsumfang genau.
    Schreib nicht „Interior Design nach m²“, sondern: Welche Ergebnisse bekommt der Kunde pro m²?
    Beispiele: Grundriss-/Zonierung, Möblierungsplan, Farb-/Materialkonzept, Produktvorschläge, Präsentation als PDF, Anzahl Korrekturschleifen, Anzahl Abstimmungstermine.
    Alles, was nicht konkret genannt ist und abgefordert wird, ist extra zu vergütende Zusatzleistung.
  2. Definiere, welche Fläche zählt
    Wohnfläche? Nutzfläche? Fläche laut Grundriss? Was ist mit Schrägen, Nischen, Fluren, Abstellräumen?
    Du brauchst eine Regel, die du immer gleich anwendest. Am besten: „Berechnungsgrundlage ist die Fläche gemäß übermitteltem Grundriss/Plan. Erweiterungen der Fläche nach Projektstart werden angepasst. Verringerungen nicht.“
  3. Arbeite mit verschiedenen Stellschrauben statt einem einzigen Preis für alles.
    Beispielsweise:

Faktoren:

  • Standardflächen (Wohnen, Schlafen, Flur): Faktor 1,0
  • Küche: Faktor 2,0
  • Bad: Faktor 2,0
  • Einbauten/Sonderanfertigungen: Faktor 3,0

'Herausnehmen':
Du rechnest Standardflächen pro m² und definierst Küche/Bad/Einbauten als separate Pauschalen oder nach Zeitaufwand.

'Grenze setzen' durch ein Mindesthonorar:
Ohne Mindesthonorar lohnt sich pro m² bei kleinen Projekten nicht, weil Onboarding, Kommunikation und Präsentation immer ähnlich Zeit kosten – egal ob 15 oder 65 m².

Klare Regeln für Änderungen:
Zusätzliche Aufgaben, zusätzliche Korrekturschleifen, neue Anforderungen, Budgetwechsel... → immer Zusatzangebot.

So kalkulierst du deinen m²-Preis, wenn du unsicher (über den Wert deiner Leistung) bist:

Ausgangspunkt ist dann dein Mindest-Stundensatz. Den kannst du im Stundensatzrechner ermitteln.
Dann schätzt du ein, wie viele Stunden du pro m² im Standardfall brauchst.

Formel:
m²-Preis = (Stunden pro m²) × (Mindest-Stundensatz) × (Komplexitätsfaktor) (+ Erfahrungs-Puffer*, wenn vorhanden)

Beispiel (nur zur Orientierung der Rechnung):
Mindest-Stundensatz 125 € netto. Standardaufwand 0,35 Std./m².
Standardfläche: 0,35 × 125 = 43,75 € netto/m².
Küche mit Faktor 1,5: ca. 65,60 € netto/m² – oder eben eine passende Pauschale.

Zusammenfassend:

Abrechnung pro m² ist nichts für Anfänger. Sie kann in bestimmten Projekten funktionieren, wenn du Erfahrung hast und den vorab kommunizierten Leistungsumfang konsequent einhältst.

Achtung: Die einzige wirklich unbekannte Größe im Privatprojektbereich ist der Kunde.

Und hier lohnt sich ein ehrlicher Blick: Nicht nur auf den Kundentypen – sondern auch auf die eigene Tendenz, Mehraufwand stillschweigend zu schlucken, statt ihn anzusprechen. Das ist eine der häufigsten Einnahmequellen, die im Interior-Design-Business ungenutzt bleibt. Nicht aus strategischen Gründen, sondern aus alten Gewohnheiten.
Welcher Kategorie gehört dein Kunde in diesem Kontext an? Mehr dazu im Beitrag:
Kunden-Typen im Privatkunden-Interior-Design: Warum sie in deine Kalkulation gehören.

*Erfahrungspuffer
Wenn du ein Profi auf einem speziellen Gebiet bist, kannst du für die gleiche Leistung mehr Honorar verlangen, als ein Anfänger.
Warum? Ein erfahrener Profi kalkuliert nicht nur Zeit, sondern Risikoabsenkung. Erfahrung reduziert Fehler, Umwege, Korrekturschleifen und Fehlentscheidungen. Genau dieser Unterschied ist der Puffer.

Katja A. Marocke ist Interior Designerin seit 1992 und Mitgründerin der Interior Designers Academy. Sie begleitet Frauen dabei, ein Interior-Design-Business aufzubauen, das sie trägt – finanziell, persönlich und emotional.