Wie finde ich als Interior Designerin meinen Stil als Marke?
Mein Tipp gleich am Anfang: Am besten, du schaust nicht zu lange auf Pinterest, Instagram oder auf das, was gerade sichtbar ist. Sonst entsteht schnell ein Mix aus Trends – aber eben nicht deine Marke.
Dein Stil als Marke ist nämlich nicht einfach nur eine gewisse Optik. Er ist die Verbindung aus Gestaltung, deiner Haltung und Arbeitsweise.
Anders gesagt: Nicht nur wie deine Räume aussehen, sondern auch wofür du als Frau stehst, wie du denkst und wie man mit dir arbeitet, gehört zu deinem Markenauftritt.
Wenn du das sauber herausarbeitest, wird deine Positionierung klar. Vielleicht sogar bis zur hohen Schule der Positionierung – deiner Signatur. Und genau das hilft dir später bei Sichtbarkeit, passenden Anfragen und Honorar.
1. Verwechsle Stil nicht mit Geschmack
Der erste Fehler passiert, wie du spätestens jetzt weißt, schnell: „Mein Stil" wird mit „Das finde ich schön" verwechselt.
Natürlich spielt dein Geschmack eine Rolle. Aber deine Marke wird nicht stark, wenn sie nur aus derzeitigen persönlichen Vorlieben besteht.
Eine Marke trägt mehr. Ein belastbares Designkonzept als Marke beantwortet immer auch diese Fragen:
- Welche Art von Räumen gestaltest du am besten?
- Für welche Menschen oder Unternehmen arbeitest du am liebsten?
- In welcher Preiskategorie bewegen sich deine Konzepte?
- Welche Wirkung sollen Räume bei dir immer haben?
- Wofür stehst du im Projektprozess (z. B. vielleicht Ruhe, Klarheit, Präzision, Verlässlichkeit...)?
- Was bekommen Auftraggeber bei dir, was sie woanders so nicht bekommen?
Falls du deine Werte nicht auf Anhieb benennen kannst, arbeite einfach mit Kontrasten:
- Bist du eher planungsstark oder improvisationsstark,
- eher ruhig oder dynamisch,
- eher detailgenau oder schnell entscheidend?
Es gibt hierbei kein „richtig" oder „falsch", sondern es muss nur zu dir, deiner Arbeitsweise und deiner Zielgruppe passen.
2. Schau in deine echten Projekte
Dein Stil zeigt sich am zuverlässigsten in deiner bisherigen Arbeit.
Geh durch deine letzten Projekte, analysiere sie und achte dabei auf wiederkehrende Muster:
- Welche Materialien tauchen immer wieder auf?
- Welche Farben nutzt du auffällig oft?
- Welche Raumwirkungen entstehen bei dir typischerweise?
- Welche Projekte haben sich für dich leicht und stimmig angefühlt?
Schau dabei möglichst nicht nur auf die Bilder, sondern auch auf den Prozess.
Viele erkennen ihren Markenkern erst an ihrer Arbeitsweise. Zum Beispiel:
- „Ich bin besonders gut darin, unklare Grundrisse in ruhige, funktionale Räume zu übersetzen."
- „Ich kann Persönlichkeiten in Raumwirkung übersetzen."
- „Ich bringe Struktur in komplexe Entscheidungen und halte Projekte ruhig."
Genau daraus kann ein Markenkonzept entstehen.
3. Definiere deine Handschrift in 3 Ebenen
Ebene 1: Die sichtbare Handschrift (Look)
Das ist das, was man sieht: klare Linien oder weichere Formen, reduzierte Farbwelten oder stärkere Kontraste, natürliche Materialien oder bewusst inszenierte Materialien.
Ebene 2: Die spürbare Wirkung (Gefühl im Raum)
Frage dich: Wie wollen Menschen sich in deinen Räumen fühlen und kannst du das übersetzen?
Auftraggeber kaufen selten nur einen Stil. Sie kaufen neben dem anfassbaren Ergebnis ein bestimmtes Gefühl. Welches das ist, gilt es herauszufinden (aber das ist ein anderes Thema...).
Ebene 3: Die fachliche Haltung (dein Warum im Projekt)
Was ist dir in der Arbeit wichtig? Hier darf es klarer werden. Was sind immer wieder deine Schwerpunkte?
Spätestens hier unterscheidest du dich wirklich.
4. B2B: Dann darf deine Marke im Geschäftskontext funktionieren
Wenn du stärker in Richtung B2B willst, reicht es nicht, deinen Stil nur gestalterisch zu beschreiben. Im B2B zählt zusätzlich: Was bringt deine Tätigkeit dem (Kunden-)Unternehmen?
Deine Marke wird hier stärker, wenn du deinen Stil mit einem klaren Nutzen verbindest:
- bessere Orientierung im Raum,
- professionellerer Auftritt nach außen,
- höhere Aufenthaltsqualität,
- höhere Umsätze durch mehr Sitzkapazität usw.
Deshalb brauchst du für eine B2B-Positionierung eine zusätzliche Leitfrage:
Welche Probleme löst mein Design im (Kunden-)Unternehmen?

5. Formuliere dein Designkonzept in einem klaren Satz
Viele haben einen Stil – aber können ihn nicht wirklich benennen. Das macht Marketing schwer.
Deshalb brauchst du einen Satz, der deine Marke auf den Punkt bringt.
Grundstruktur:
„Ich entwickle Raumkonzepte für [Zielgruppe], die [Wirkung/Nutzen] mit [deiner Haltung/deiner Handschrift] verbinden."
Tipp: Lieber einfach und klar, als zu kreativ.
6. Prüfe, ob deine Marke nach außen konsistent ist
Passt dein Außenauftritt zu dem, was du gerade definiert hast?
- Website-Bilder: Zeigen sie wirklich deine Handschrift?
- Texte: Klingst du so, wie du arbeitest?
- Projektbeschreibungen: Erklärst du nur Optik oder auch Wirkung und Konzept?
- Angebotsprozess: Spiegelt dein Ablauf Professionalität und Klarheit?
Wenn dein Markenkern „Ruhe und Präzision" ist, dein Außenauftritt aber unruhig und beliebig wirkt, entsteht ein Bruch, der Vertrauen kostet. Natürlich nur als Beispiel.
7. Erlaube deinem Stil, sich nach und nach zu schärfen
Du musst heute nicht dein Endergebnis finden.
Ein guter Stil entwickelt sich. Aber nicht zufällig – sondern durch die Summe deiner Entscheidungen.
Mehr von dem, was zu dir passt. Weniger von dem, was nur „auch geht".
8. Marke entsteht oft nicht durch mehr, sondern durch Weglassen.
Und manchmal entsteht Klarheit im Stil erst dann, wenn man aufgehört hat, für jeden ansprechbar sein zu wollen. Wer versucht, mit seiner Marke niemanden auszuschließen, schließt am Ende alle aus – weil er nirgendwo wirklich erkennbar ist.
Je klarer du wirst, desto leichter werden später passende Anfragen, bessere Honorare, klare Kommunikation und stärkere Wiedererkennbarkeit.
Dein Stil wird dann zur Marke, wenn man ihn nicht nur sieht, sondern spürt: in deiner Haltung, in deiner Arbeit und in den Ergebnissen, die du für Auftraggeber schaffst.
Wenn du dein Designkonzept nicht nur verstehen, sondern für dein Business sauber als Marke ausarbeiten willst: In meiner Masterclass oder im persönlichen 1:1 Mentoring entwickelst du Schritt für Schritt deine klare Positionierung.
Katja A. Marocke ist Interior Designerin seit 1992 und Mitgründerin der Interior Designers Academy. Sie begleitet Frauen dabei, ein Interior-Design-Business aufzubauen, das sie trägt – finanziell, persönlich und emotional.