Wie positioniere ich mich als Interior Designerin – ohne mich zu früh festzulegen?

Ich selbst dachte jahrelang nicht, dass ich mich als Interior Designerin überhaupt positionieren müsste.  Bzw. meine Positionierung war für mich klar: Ich mache Räume „schön“.

Andere Interior Designerinnen hingegen – damals wirtschaftlich deutlich erfolgreicher als ich – positionierten sich sehr klar auf ein bestimmtes Kunden- oder Angebotssegment. Und sie konnten sich scheinbar vor passenden Anfragen kaum retten.

Mein damaliger Gedanke dazu war ehrlich gesagt:
„Was – sie können nur das und sind damit so erfolgreich? Das kann ich doch genauso. Und sogar noch viel mehr! Wie geht das bitte?!“

Wie wenig ich vom wirtschaftlichen Aspekt meiner Arbeit verstanden hatte, wurde mir erst mit der Zeit klar – mühsam, über Learning by Doing.
Meine wichtigste Erkenntnis dabei:

Je klarer du dich festlegst, desto erfolgreicher wirst du.

Bis ich das wirklich akzeptieren konnte, gab es allerdings einige Glaubenssätze zu drehen. Zum Beispiel diese:
„Was, wenn ich mich festlege und später merke, dass es doch nicht passt?“
„Was, wenn ich mir damit Möglichkeiten verbaue?“

Diese Fragen waren berechtigt. Sie beruhten jedoch auf einem Missverständnis.

Positionierung wird oft als etwas Starres verstanden. Als ein Etikett, das man sich einmal gibt und dann nicht mehr loswird. In der Praxis funktioniert gute Positionierung anders.

Positionierung ist kein Käfig. Sie ist ein Fokus.

Gerade am Anfang – oder bei einer Neuausrichtung – geht es nicht darum, alles bis ins Detail festzuschreiben. Es geht darum, dir einen klaren Ausgangspunkt zu geben:
Für wen arbeite ich gerne?
Was kann ich besonders gut – und mache ich es auch gerne?
Welche Art von Projekten kann und will ich verantworten?

Das ist keine endgültige Entscheidung für die nächsten zehn Jahre. Es ist eine bewusste Entscheidung für die nächsten Schritte. Denn dein gesamtes Marketing – egal ob laut oder leise – wird sich idealerweise daran ausrichten.

Was kannst du dabei falsch machen?

Entweder du wartest mit der Positionierung, bis „alles klar“ ist. Bis du glaubst, nun ganz genau zu wissen, wo du hinwillst. Das führt oft dazu, dass du zu lange offen für alles bleibst.
Die Folge: Du nimmst an, was kommt. Preise, die nicht passen. Projekte, die sich nicht gut anfühlen. Kunden, die mehr Energie kosten, als sie bringen.

Oder du übernimmst Positionierungen aus dem Markt, weil sie scheinbar funktionieren. „Luxuriös“, „nachhaltig“, „ganzheitlich“ – ohne dass das wirklich zu deiner Erfahrung, deinen Werten oder deiner Arbeitsweise passt.

Beides führt selten zu nachhaltigem Erfolg.

Denn eine tragfähige Positionierung wächst aus dir heraus – und mit dir.

Sie basiert nicht auf Marketingbegriffen, sondern auf deiner Realität. Auf dem, was du heute kannst, verantworten willst und vertreten kannst. Sie darf sich verändern, wenn du dich veränderst, weil deine Erfahrung wächst.

Wichtig ist, dass sie dir hilft Entscheidungen zu treffen, Anfragen sofort einzuordnen,
Preise nicht rechtfertigen zu müssen - einfach klar kommunizieren zu können, wofür du stehst.

Wenn sie das tut, ist sie richtig – und wird sich mit dir weiterentwickeln.

Heute weiß ich rückblickend: Meine späte(re) Positionierung war der Schlüssel für meinen heutigen Erfolg als Interior Designerin.
Sie ist keine endgültige, sondern einfach eine der wichtigsten unternehmerischen Entscheidungen - aber auf Zeit (zumindest dann, wenn du dich weiterentwickeln willst ;).

Gerade im Interior Design Business entsteht wirtschaftliche Sicherheit nicht durch Offenheit in alle Richtungen und ein möglichst breites Angebot, sondern durch eine spitze Positionierung mit deinem Angebot und das damit verbundene Ziel – bei gleichzeitiger Bereitschaft, diese Positionierung weiterzuentwickeln.

blog markt

Zusammenfassend:

Du kannst dich also nie ”zu früh” festlegen. Deine (idealerweise spitze) Positionierung ermöglicht dir deinen Interior Design Markt Zugang, zu einem bestimmten (aktuellen) Zeitpunkt, mit deinen momentanen Fähigkeiten, Werten und Wünschen.

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