Welches KI-Bildprogramm ist das richtige für Interior Designerinnen – und wann reicht KI einfach nicht?
Die Frage, welches KI-Bildprogramm für Interior Designerinnen derzeit das beste ist, lässt sich natürlich beantworten. Nur stimmt die Antwort schon nicht mehr, sobald sich deine Aufgabe ändert, oder ein neues Modell am Markt erscheint.
Ein KI-Bildprogramm kann ausgesprochen atmosphärische Interiors erzeugen und daran scheitern, in einem vorhandenen Raum nur ein einziges Möbelstück zu verändern. Ein anderes verarbeitet eine erstaunliche Anzahl an Referenzbildern, verwechselt aber möglicherweise links und rechts. Und ein Bild kann aussehen wie eine professionelle Visualisierung, obwohl die Proportionen nicht stimmen, Details nicht baubar sind und einige der abgebildeten Produkte in dieser Form überhaupt nicht existieren.
Eine Skizze zeigt uns, dass sie eine Idee ist. Ein fotorealistisches KI-Bild tut das nicht. Es sieht bereits fertig und vollkommen überzeugend aus – auch wenn es fachlich völlig falsch ist.
Je besser diese Bilder werden, desto wichtiger wird deshalb die Person, die beurteilen kann, was da eigentlich zu sehen ist. DU!
Die Frage lautet also nicht: Welches Programm ist das beste?
ChatGPT, Midjourney und Googles Nano-Banana-Modelle können inzwischen Bilder erzeugen, vorhandene Bilder verändern und mit Referenzen arbeiten.
Interessant wird es allerdings erst, wenn klar ist, was du mit dem Bild erreichen möchtest. Möchtest du einem Kunden erst mal eine bestimmte Atmosphäre vermitteln? Soll ein vorhandener Raum verändert werden? Möchtest du verschiedene Möbel- und Materialreferenzen in einem Bild zusammenbringen? Oder soll die Darstellung zeigen, wie der Raum später tatsächlich aussehen wird?
Das sind unterschiedliche Anforderungen. Und es gibt kein einziges Programm, das sie alle gleichermaßen gut erfüllt.
Die Auswahl des Werkzeugs beginnt deshalb nicht mit einer Art Rangliste, sondern mit der Frage, wie verbindlich das Ergebnis sein soll.
Wenn du einem Kunden genau dieses Sofa oder eine neue Wand in genau seinem Wohnzimmer zeigen möchtest, reicht ein schönes, irgendwie ähnliches Ergebnis einfach nicht aus.
Und wenn nach dem Bild gebaut werden soll, sind wir ohnehin an einem vollkommen anderen Punkt.
1. ChatGPT: Wenn du mit einem vorhandenen Raumbild arbeiten und nicht jedes Mal von vorn beginnen möchtest
ChatGPT ist besonders interessant, wenn bereits ein Foto des vorhandenen Raumes existiert, da du dich in mehreren Schritten an das Ergebnis heranarbeiten kannst.
Du kannst zunächst die Wandfarbe verändern, danach eine andere Leuchte einsetzen und anschließend die Möblierung überarbeiten. Genau diese kleineren Schritte sind dort (nicht nur dort) sinnvoll, weil bei einer sehr umfangreichen Änderung mit KI schnell auch Dinge verschwinden oder verändert werden, die eigentlich bleiben sollten.
Für mich ist diese Art der Arbeitsweise dabei der größte Vorteil. Was ich damit meine: ich muss inzwischen nicht mehr für jede Fassung einen vollkommen neuen Prompt schreiben, sondern kann mich auf das bereits erzeugte Bild beziehen und sagen, was als Nächstes verändert werden soll.
Auch Referenzbilder lassen sich dort einbeziehen. Das macht ChatGPT für bestehende Räume, schrittweise Korrekturen und konkrete Überarbeitungen zu einem ausgesprochen sinnvollen Tool.
Jedoch, auch ChatGPT hält markierte Bereiche nicht immer exakt ein, verändert bei mehreren Bearbeitungsschritten gelegentlich wiederkehrende Elemente und entscheidet mitunter selbst, was offenbar ebenfalls noch „verbessert“ werden könnte. Was durchaus gut gemeint sein mag, aber eben nicht unbedingt gefragt war.
TIPP:
Dafür gibt es einfache einschränkende Formulierungen, die gut funktionieren. Bspw. „ausschließlich...“, oder „...pixelgenau beibehalten...“.
Und am Schluss, da jede neue Runde immer weiter die optische Qualität „verwässert“: „Stelle jetzt ausschließlich die originale Oberflächentextur ohne den inzwischen wolkigen Charakter wieder her...“.
Mein persönlicher Gamechanger!
Teil-Visualisierung der Planung


2. Midjourney: wenn du selbst noch nicht weißt, wie es aussehen soll
Midjourney würde ich vor allem dann einsetzen, wenn es um Atmosphäre, Stilfindung und visuelle Ideen geht.
Das Programm ist ausgesprochen stark darin, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen und mit Licht, Farben, Materialien und Texturen eine eigene Bildwelt aufzubauen. Gerade wenn du noch nicht jede Einzelheit festgelegt hast, kann das sehr inspirierend sein.
Dabei muss man inzwischen allerdings genauer unterscheiden, welche Art von Referenz verwendet wird.
Ein normales Referenzbild dient Midjourney hauptsächlich als Inspiration. Mit einer Stilreferenz lassen sich Farben, Lichtstimmung, Materialien und die allgemeine Bildwirkung übertragen. „Omni Reference“ und der Editor ermöglichen es mittlerweile auch, Objekte wesentlich gezielter in eine neue Szene einzubringen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein reales Möbelstück anschließend produktgetreu dargestellt wird. Proportionen, Nähte, Füße, Beschläge, Logos und Oberflächen können sich verändern – manchmal ziemlich erheblich.
Wenn ich also eine außergewöhnliche Bildsprache oder eine starke Atmosphäre suche, ist Midjourney eine sehr gute Wahl. Wenn ich dem Kunden ein bestimmtes Möbelstück verkaufen möchte, ODER WENN ES IRGENDETWAS MIT DEM BESTANDSRAUM ZU TUN HABEN SOLL, würde ich mich auf dieses Tool nicht verlassen.
Beispielbild mit gleichem Prompt, wie Nano Banana 2:


3. Nano Banana 2: wenn der Stapel an Referenzen immer größer wird
Bei Nano Banana muss zunächst geklärt werden, worüber wir überhaupt sprechen, denn inzwischen handelt es sich um eine ganze Modellfamilie. Für die praktische Arbeit ist Nano Banana 2 derzeit der empfohlene Allrounder.
Interessant ist das Programm vor allem dann, wenn zahlreiche Referenzen zusammenkommen. Also beispielsweise ein Raumfoto, mehrere Möbel, bestimmte Materialien, Leuchten und vielleicht noch ein Moodboard, dessen Wirkung in die neue Darstellung einfließen soll.
Je nach Modell und Referenzart können hier bis zu 14 Bilder verarbeitet werden. Das kann für umfangreiche Kompositionen sehr hilfreich sein.
Es bedeutet aber leider nicht, dass das Programm den Raum deshalb besser versteht.
Das Tool benennt selbst als Schwächen, dass räumliche Zuordnungen wie links und rechts nicht immer stimmen, das 3D-Verständnis begrenzt ist und bei Bearbeitungen unerwünschte Teile eines Ausgangsbildes übernommen werden...
Mit anderen Worten: Die KI kann 14 Referenzen verarbeiten und trotzdem nicht beurteilen, ob der Durchgang breit genug ist, die Perspektive zum tatsächlichen Raum passt oder das gewünschte Möbelstück dort überhaupt stehen könnte.
Ich persönlich gerate deshalb hier schnell bei komplexen Gestaltungen an dessen Visualisierungs-Grenze.
Beispielbild mit gleichem Prompt, wie Midjourney:


Meine einfache Zuordnung für deine praktische Arbeit
| Wenn du das erreichen möchtest | Damit würde ich beginnen |
|---|---|
| Eine freie Interior-Idee aus einem Briefing entwickeln | ChatGPT und Midjourney vergleichend ausprobieren |
| Atmosphäre, Stilrichtung oder eine überraschende Gestaltungsidee finden | Midjourney |
| Ein vorhandenes Raumfoto gezielt verändern | ChatGPT oder Nano Banana 2 |
| Viele Möbel-, Material- und Moodboardreferenzen zusammenbringen | Nano Banana 2 |
| Mehrere kleinere Korrekturen nacheinander umsetzen | ChatGPT |
| Ein emotional starkes Präsentationsbild erzeugen | Je nach gewünschter Ästhetik Midjourney oder ChatGPT |
| Ein reales Möbelstück möglichst genau in einen unveränderten Raum einsetzen | Klassische Bildmontage oder 3D, KI höchstens unterstützend |
| Maßhaltig und verbindlich planen | CAD, BIM oder 3D, auch Homestyler, beispielsweise |
Auch das ist nur eine Zuordnung nach Aufgaben – und die halte ich im Augenblick zumindest für wesentlich sinnvoller als die Suche nach einem allgemeinen Testsieger.
Ein schönes Bild ist noch lange keine belastbare Darstellung
Mit einem guten Prompt lässt sich heute ein Bild erzeugen, das auch für Fachleute auf den ersten Blick erstaunlich überzeugend wirkt. Nur sagt die Optik noch nichts darüber aus, ob der dargestellte Raum tatsächlich so funktioniert.
Eine Tür kann unauffällig etwas verrutschen, damit die Bildkomposition besser aufgeht. Möbel werden kleiner oder größer, Raumtiefen verändern sich und Durchgänge wirken großzügiger, als sie in Wirklichkeit sind.
Hinzu kommen konstruktive Details. Anschlüsse, Materialstärken, Unterkonstruktionen, notwendige Abstände und Revisionsmöglichkeiten müssen in einem attraktiven KI-Bild nicht korrekt sein. Das Programm erzeugt eine optisch plausible Lösung. Es erstellt natürlich (noch) keine Ausführungsplanung!
Ähnlich verhält es sich mit realen Produkten. Ein Sofa kann dem gewünschten Modell sehr ähnlich sehen und trotzdem andere Proportionen, Füße oder Bezüge haben. Bei einer ersten Stilidee ist das möglicherweise vollkommen ausreichend. Sobald der Kunde jedoch genau dieses Produkt kaufen soll, kann eine kleine Abweichung Stress für dich werden.
Auch Materialien verhalten sich in einem KI-Bild gern so, wie es für die Gesamtwirkung am schönsten ist. Maserungen, Fugen, Reflexionen und Übergänge sehen glaubwürdig aus, müssen aber weder materialgerecht, überhaupt so baubar, oder in dieser Form überhaupt erhältlich sein.
Das ist eine kleine Falle, wenn du nur anhand von schönen Bildvorlagen neue Räume gestalten willst, ohne das entsprechende Know-how, ob und wie sich etwas überhaupt umsetzen lässt.
Mit anderen Worten: Es ist heute sehr viel leichter, einen beeindruckend aussehenden Raum zu erzeugen. Einen wirklich guten Raum zu planen, ist dadurch aber keinen Deut leichter geworden. Genau hier liegt die eigentliche Leistung einer Interior Designerin: Sie kann beurteilen, ob die schöne Idee im vorhandenen Raum funktioniert, baubar ist und sich eben tatsächlich so umsetzen lässt. Also genau das, was jemand ohne das entsprechende Wissen in einem perfekten Bild nicht erkennen kann.
Wenn es stimmen muss, bleibt die klassische Planung
Sobald Maße, reale Produkte oder die tatsächliche Ausführbarkeit verbindlich dargestellt werden müssen, benötigen wir weiterhin CAD, BIM, eine ordentliche 3D-Planung, oder auch klassische maßstabgerechte Zeichnungen, wie ich sie oft immer noch erstelle.
Alles, was zum Ziel führt, ist ausdrücklich erlaubt!
Natürlich kann KI auch dort unterstützen. Sie kann einer vorhandenen Darstellung einen professionelleren Look verschaffen, wenn dir das wichtig ist. Oder Varianten erzeugen, die dabei helfen, eine weitere Idee sichtbar zu machen.
Sie ersetzt derzeit aber noch in keiner Weise die Planung, auf deren Grundlage bestellt und gebaut wird.
Ich halte es für wichtig, das alles zu berücksichtigen, weil das Ergebnis einer Visualisierung inzwischen so professionell aussehen kann. Mit anderen Worten: Je realistischer das Bild wirkt, desto sorgfältiger muss geprüft werden, was davon tatsächlich „stimmt“.
Wenn du also eine Visualisierung brauchst, die über das Herumrücken von ein paar Bestandsmöbeln hinausgeht:
Prompten ist nicht die entscheidende Qualifikation
Prompten ist jedenfalls nicht mehr die entscheidende Qualifikation, das kannst du jedwede KI, mit der du arbeitest, erledigen lassen. Aber auch ein perfekt formulierter Prompt ersetzt keine gestalterische und fachliche Urteilskraft. Die liegt nach wie vor bei dir.
Deine eigentliche Leistung beginnt nicht zuletzt bei der Beurteilung des Ergebnisses.
Stimmen die Proportionen? Funktioniert die Raumaufteilung? Sind die Materialien sinnvoll eingesetzt? Gibt es das gezeigte Produkt überhaupt? Lässt sich das Detail bauen? Und entspricht das Bild überhaupt noch dem Raum, um den es geht?
Wer das beurteilen kann, bekommt mit KI ein ausgesprochen starkes Werkzeug. Ideen lassen sich schneller prüfen, gestalterische Richtungen gut sichtbar machen und Gespräche mit Kunden besser vorbereiten.
Wer die fachliche Beurteilung allerdings gleich mit an die KI abgibt, erhält im ungünstigsten Fall lediglich sehr viel schneller ein überzeugend aussehendes falsches (Laien-)Ergebnis.
Die Programme werden sich verändern. Manche werden besser, andere verschwinden wieder. Unsere wichtigste Aufgabe bleibt davon unberührt:
Wir dürfen daran arbeiten, dass ein Raum nicht nur gut aussieht – sondern dass er tatsächlich gut geplant ist.